Tag X

Das Jahr 2017 begann mit einer Schreckensnachricht, die ich erstmal zu verdauen hatte 🙁 Wer mich kennt weiß, dass ich mir schon länger Gedanken und Sorgen wegen Zippos merkwürdigem Gangbild mache. Die meisten wollten mich beruhigen und meinten, „der läuft doch ganz normal“ oder „im Wachstum laufen viele unrund“ usw usf. Ich versuchte, mich nicht verrückt zu machen – doch dann bekam ich Ende 2016 Nachricht von Zippos Bruder Cash, er würde lahm gehen. Die Beschreibungen der Besitzerin erinnerten mich sehr an meine Beobachtungen bzgl. Zippo. Es folgte Schonung – Besserung – dann doch wieder auffällig, Cash wurde Anfang 2017 ins CT geschoben – die Diagnose mehr als niederschmetternd:
OCD beide Schultern, OCD und FCP beide Ellbogen und eine sehr schlechte Hüfte… Erstaussage der Tierärzte – egal wie viele OPs, der Hund wird niemals ein schmerzfreies Leben führen können.
Nun war mein Drang Zippo untersuchen zu lassen größer als je zuvor, gestern am 23.01. war nun der Termin der Termine – Tag X. Auch Cash kam mit zu Dr. Reif nach Böbingen an der Rems um eine Zweitmeinung einzuholen. Da wir bei ihm bereits wussten dass Fragmente vorhanden sind, wurde gleich mit ihm begonnen. Es wurde nochmals Röntgenbilder von Schultern und Hüfte (Stressröntgen) und ein CT von den Ellbogen angefertigt. Bei den Aufnahmen an den Schultern war zu erkennen, dass sich die OCD Schuppen nicht gelöst hatten und sich somit keine freien Fragmente in den Gelenken befinden. Deshalb wurde das Gelenk mit der größeren Schuppe (links) erstmal punktiert, die Gelenkflüssigkeit war glasklar, somit keine Entzündung und somit sollten die Schultern auch vorerst keine Probleme bereiten und wurden komplett „in Ruhe“ gelassen. Ausserdem scheinen die OCD Schuppen eher von der kleineren Art zu sein und die Chancen dass sie sich komplett verwachsen ohne sich zu lösen und somit weiterhin keine Probleme bereiten stehen gut. Die Fragmente in den Ellbogen mussten aber unbedingt raus! Somit wurden an den Ellbogen Arthroskopien durchgeführt. Es war alles sehr gut zu entfernen Gott sei Dank. Auch hier waren die Fragmente eher von der kleineren Art. Viel schlimmer steht es um Cashs Hüften, Dr. Reif meinte dass DAS sein größtes Problem ist. Auf der linken Seite ist der Norbergwinkel < 90° und das Gelenk luxiert sehr leicht... auch die andere Seite der Hüfte ist recht locker. Nach Beratung wurde sich dazu entschieden, in zwei Wochen eine 3-fach Beckenosteotomie beidseits zu machen. Cash ist nicht zu groß und schwer, noch nicht zu alt, die Platten die man hierfür benötigt passend und somit kann zumindest versucht werden die Hüftgelenke weitestgehend zu erhalten. Cash hat den gestrigen Tag erstmal sehr gut überstanden :)

Schulter li Schulter re Gelenkflüssigkeit Hüfte gestreckt Hüfte Stressröntgen FCP Ellbogen

Dann wurde Zippo in Narkose gelegt, auch bei ihm sollte ein Röntgenbild von Schultern und Hüften und ein CT der Ellbogen gemacht werden mit folgender Diagnose:
Hüften in Ordnung, Schultern in Ordnung, Ellbogen geringgradig dysplastisch beidseits aber keine Fragmente die man entfernen müsste.
Zippos beide Ellbogen sind gerade richtig entzündet, er bekommt nun erstmal Schmerzmittel und es bleibt erstmal nur abzuwarten wie es sich weiter entwickelt. Mir war erstmal wichtig abzuklären, ob ich ihn endlich wieder springen und toben lassen kann, ohne Angst haben zu müssen dass ein eventuelles Fragment das Gelenk „zerstört“. Natürlich kann es sein, dass Zippo die nächsten Monate nochmal richtig lahmt, dann müsste man ggf. das CT wiederholen und doch noch Arthroskopieren. Ich drück ihm die Daumen dass das nicht passiert! Schonen muss er sich auf jedenfall vorerst nicht und darüber bin ich sehr froh.

Schulter li Schulter re Hüfte gestreckt Hüfte Stressröntgen

Leider scheinen Ross und Yumi genetisch nicht sehr gut harmoniert zu haben, wars einfach Pech beim „zusammenwürfeln“ der Gene? Spielt eventuell auch der relativ hohe Inzuchtkoeffizient mit eine Rolle? Diese Fragen wird einem niemand zu 100% beantworten können…

Vielleicht interessiert den einen oder anderen welche Beweggründe hinter dem „großen Ganzen“ stecken, ich versuche dies in den nächsten Zeilen aus meiner Sicht darzulegen.
Jeder Züchter der selbst schonmal in solch einer Situation gesteckt ist, dass irgendwas mit der Nachzucht nicht stimmt, sei es HD, ED oder auch EPI über dessen Erbvorgang noch viel weniger bekannt ist – vor dem aber niemand wirklich sicher ist meiner Meinung nach, weiß vermutlich welche Gedanken einem durch den Kopf schießen. Konnte man es vorher ahnen? Ist man zu große Risiken eingegangen? Wie geht es weiter, geht es überhaupt weiter? Es wird wie überall Extreme geben, Leute die sagen SO ein Risiko wäre ich NIEMALS im Leben eingegangen und andere die sagen, mach dir nichts draus sowas passiert eben. Im Nachhinein zu sagen: „ich hätte das nie gemacht“ ist immer leicht, jeder hat Beweggründe wieso er was macht oder nicht macht – aber jeder muss diese Entscheidungen für sich selbst treffen, wichtig ist meiner Meinung nach DASS man sich Gedanken macht und wie man dann damit umgeht.
Natürlich hab ich mir nach den A-Wurf Ergebnissen andere Gedanken gemacht als vor dem A-Wurf. Die Verpaarung mit Widge war (laut Zuchtwertschätung KC und DRC) etwas riskant, aber für meine Einschätzung nicht unverantwortungslos. 100%ig gefeit vor jeglichen erblich bedingten Krankheiten ist man bei KEINER Verpaarung. Auch dies ist etwas, das jeder nach Abwägung für sich selbst entscheiden muss und auch dann kann man trotzdem Pech haben. Die 5 von den 6 ausgewerteten Hunde wurden alle unter einer neuen Gutachterin ausgewertet – noch so ein Punkt der an einigen Ecken viel Wirbel gebracht hat… guckt man sich nun die Nachzuchtergebnisse an steht da:
2 mal ED frei, 2 mal Grenzfall, einmal ED 2, 3 mal OCD Schulter frei
Die beiden Grenzfälle bekamen die Option noch die dritte Aufnahme nachzuliefern damit sich die Gutachterin entscheiden kann ob nun ED 0 oder 1 (oder was auch immer..), die einen Besitzer entschieden sich dagegen, die zweite Hündin wurde nochmals geröngt und eine dritte Aufnahme zur Begutachtung eingeschickt. Das Ergebnis blieb jedoch das gleiche und das obwohl es hieß danach wird entschieden?! Na ja… man bot noch die Möglichkeit ein CT nachzureichen, nochmal schlafen legen, die Hündin sollte nicht in die Zucht und hatte keinerlei Probleme, also wurde sich dagegen entschieden.
Die Hündin mit ED 2 – laut Besitzer ist dieser Hund bis dato noch nie komisch gelaufen oder hat in irgendeiner Art gehumpelt. Die Besitzer sind keine Ersthundehalter, würden meiner Meinung nach sehr wohl erkennen wenn irgendwas nicht „normal“ ist. Auf dem Auswertungsbogen stand: Verdacht auf FCP beidseits. Da diese Hündin nie lahm gegangen ist, wollten die Besitzer auch kein CT anfertigen lassen um den Verdacht entweder zu bestätigen oder auszuräumen. Ich muss auch diese Entscheidung akzeptieren. Dennoch züchterisch schwierig da man wieder nichts wirklich weiß und nur Vermutungen anstellen kann…
Warum nun noch ein weiterer Wurf mit Yumi? Im Endeffekt habe ich mich für einen weiteren Wurf mit Yumi entschieden, da ICH gerne noch einen weiteren Welpen aus ihr für MICH behalten wollte. Diesmal wollte ich (die Zuchtwertschätzung Ellbogen betreffend) das Risiko geringer halten, gebracht hat das ganze augenscheinlich nichts, die Ergebnisse sind sogar schlechter. Wobei – schlechter ist gar kein Ausdruck – sie sind niederschmetternd und eine Katastrophe. Ändern kann ich daran nichts, auch wenn ich wünschte ich könnte… nun gilt für mich erstmal alles was machbar ist zu unternehmen, damit die beiden Süßbären ein möglichst schönes Leben leben können.
Yumi wird definitiv keinen weiteren Wurf haben, für Gem lasse ich mir die Entscheidung noch offen – geplant wäre ja eh erst für den Jahreswechsel 2018/2019.