RD

Bei dieser angeborenen Erbkrankheit liegt eine Fehlbildung im Bereich der Netzhaut (Retina) vor. (Die Netzhaut im Augenhintergrund besteht aus den lichtempfindlichen Stäbchen und Zapfen, die für die Sehwahrnehmung verantwortlich sind.) Dieser Defekt wird autosomal rezessiv vererbt, das heißt, weibliche und männliche Tiere sind gleichmäßig betroffen und die erkrankten Tiere haben das Gen doppelt, da nur dann die Erkrankung zu sehen ist. Die Anlageträger erscheinen gesund, ihr gesundes Gen überdeckt den Defekt, so daß dieser bei einer Augenuntersuchung nicht feststellbar ist.

Je nach Ausmaß der Fehlbildungsstellen in der Netzhaut, die für das Sehen ja verantwortlich ist, kann man verschiedene Ausprägungsgrade der Krankheit unterscheiden:

1. fokale (herdförmige) RD
2. multifokale (an mehreren Stellen begrenzt auftretende) RD
3. geographische (großflächige) RD
4. totale RD

Auswirkungen
Die beiden letzten Formen führen so gut wie immer zur vollständigen Erblindung des Tieres.
Bei der fokalen und multifokalen haben die Hunde meist ein normales Sehvermögen. Da aber an den veränderten Stellen keine funktionsfähige Netzhaut besteht bzw. diese von der Unterlage abgelöst ist, hängt das Sehvermögen gerade bei der multifokalen Form auch immer von der Größe der Veränderungen ab. Glücklicherweise verändern sich die festgestellten Ausmaße der Retinadysplasie meist nicht, es gibt jedoch Ausnahmen. Bei diesen breiten sich Veränderungen aus und können zur Bildung großer „blinder Flecke“ im Augenhintergrund führen, so daß das Sehvermögen eingeschränkt ist.
Jedoch können die meisten Hunde mit fokaler und multifokaler Retinadysplasie gut sehen und es bleibt wahrscheinlich (hoffentlich!) auch lebenslang so.

Ursache
Es gibt viele Ursachen für eine abnormale Differenzierung der Netzhaut. Dies sind: Gen-Defekt (erblich), Virusinfektion, Vitamin-A-Mangel, ionisierende Strahlen, bestimmte Medikamente, intrauterine Infektion oder Trauma.
Erblich bei folgenden Rassen: Labrador Retriever, Samojede, Engl. Springer Spaniel, Engl. Cocker Spaniel, American Cocker Spaniel, Cavalier King Charles Spaniel, Engl. Setter, Golden Retriever, Bedlington Terrier, Sealyham Terrier, Yorkshire Terrier, Rottweiler,…

Therapie & Prognose
Die Netzhautdysplasie bleibt in der Regel unverändert; in einigen Fällen kann eine Laserbehandlung der Netzhaut sinnvoll sein.

Prophylaxe
Für die Gesundung und Gesunderhaltung einer Rasse empfehlen sowohl deutsche, europäische wie amerikanische Tieraugenspezialisten, weder betroffene Tiere, noch deren Eltern oder Nachkommen weiter zur Zucht einzusetzen. Zwar sehen Tiere mit fokaler und multifokaler Retinadysplasie selbst noch recht uneingeschränkt, aber in der Rasse führt die Genanhäufung unweigerlich zur hochgradigen Form der Retinadysplasie mit vollständiger Netzhautablösung und Erblindung. Deswegen ist es enorm wichtig sowohl Zuchthündinnen als auch Zuchtrüden regelmäßig untersuchen zu lassen.
Die Diagnose wird mittels Funduskopie gestellt. Die fokale/multifokale Dysplasie erkennt man bereits bei Welpen, die geografische Form wurde bei einigen Hunden jedoch erst im Laufe des 1. Lebensjahres festgestellt. Beim Welpen festgestellte Veränderungen, die einer Retinadysplasie ähneln, können sich auswachsen und verschwinden.

Quelle 1 © Dr. med. vet. Elisabeth Venzl (September 2005)
Quelle 2 Copyright © eyevet.ch, 2008